Januar 2022

Serdar Somuncu. Der Kabarettist postet auf Facebook einen langen Beitrag mit der Überschrift+++Diese Regierung hat jetzt schon versagt!+++“. Er beginnt mit diesen Sätzen: „Ich weiß, dass ich mit diesem Text Unmut erregen werde. Ich werde zum Schwurbler erklärt, zu einem, der jetzt auch abgedriftet ist. Mittlerweile ein unerträglicher Schwätzer, auf halbem Weg einer von denen zu sein, die er früher bekämpft hat und obwohl manch einer bisher noch mein Fan war, bleibt nichts anderes übrig, als sich angewidert von mir abzuwenden.“
Weiter geht es mit viel Unmut in Hinblick auf die Corona-Politik. Er schreibt u.a.: „Ungesundheitsminister Karl Lauterbach ist in einem entfesselten Forderungsrausch gefangen, er erlebt mit einer aggressiven Unterstützung einer ihn zur Kultfigur stilisierenden Glaubensgemeinde, einen Drohorgasmus nach dem anderen und hat die größte Zeit seines Lebens, das zuvor aus seinem Hinterbänklerdasein in Ausschüssen bestand. Als Alleinherrscher über Sanktionen und Verbote, wird er dabei flankiert von einem orientierungslosen Robert Koch Institut, das regelmäßig seine eigenen Berechnungen korrigiert und in Frage stellt, um anschließend Rückschlüsse daraus zu ziehen, deren Haltbarkeit sich offensichtlich aus der trotzigen Rechthaberei ihrer eigenen Fehlinterpretationen errechnet.“ Facebook verhängt daraufhin einen Shadowban, so dass die Reichweite der Beiträge Somuncus drastisch eingeschränkt werden.

Hans-Georg Maaßen. Der frühere Verfassungsschutz-Präsident teilt auf der Plattform GETTR ein Video, in dem der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi vor der Covid-Impfung warnt. Der Zentralrat der Juden fordert die CDU-Führung auf, sich von Maaßen zu distanzieren. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien, die auch Mitglied im CDU-Bundesvorstand ist, fordert den Ausschluss Maaßens aus der Partei: „Herr Maaßen hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer weiter von den Grundwerten in der CDU entfernt. Seine jüngsten Einlassungen zur Impfung sind völlig inakzeptabel.“ In einem Schreiben zu seiner Verteidigung verweist er darauf, dass er selbst als Kind Impfschäden erlitten habe. Mit fünf Jahren habe er nach einer Impfung notoperiert werden müssen, ein Jahr später nach einer Kombinationsimpfung ein zweites Mal. Er schreibt außerdem: „Wenn ich mit einem Posting ein Video eines Professors teile, der sich ernsthafte Sorgen wegen der Verimpfung der mRNA-Impfstoffe macht, übe ich damit mein Grundrecht auf Meinungsfreiheit aus.“ Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet Bhakdi, der bis zu seiner Emeritierung Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Mainz war, als „ehemaligen Mikrobiologen“. Quellen: Süddeutsche Zeitung, tagesschau, TAG24

Erich Heckel, Emil Nolde, Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff.  Im Dritten Reich wurden Mitglieder der expressionistischen Dresdner Künstlergruppe „Brücke als „trostlose Beispiele des Kunstbolschewismus“ und der „Judenplage“ diffamiert. Die 1937 eröffnete nationalsozialistische Propagandaschau „Entartete Kunst“ führte sie sowie Vertreter anderer moderner und avantgardistischer Kunst- und Stilrichtungen wie Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus und Kubismus, als Geisteskranke und Perverse vor. Heute sind viele Werke der „Brücke“ im Berliner Brücke-Museum zu sehen. Doch ausgerechnet diese Einrichtung schwärzt die expressionistischen Künstler nun erneut an. Im Brücke-Museum eröffnete am 18. Dezember die Ausstellung „Whose Expression? Die Künstler der Brücke im kolonialen Kontext“. Heckel, Nolde, Pechstein, Kirchner und Schmidt-Rottluff nutzten „stilistische Elemente der Künste und Kulturen aus Afrika, Ozeanien oder Indien als Anregung für ihre Kunst, ohne deren Entstehungskontexte, die kolonialen Machtverhältnisse und ihr rassistisches Weltbild zu reflektieren“, klagt der Internet-Auftritt des Hauses (besonders verwerflich finden die Ausstellungsmacher die Aktdarstellungen afrikanischer Frauen durch die Expressionisten). Die Ausstellung sei „der Beginn einer Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe des Brücke-Museums“. Quelle: Achgut

Jerzy Maćków. In einem Gastbeitrag auf der Plattform reitschuster.de beschreibt der Professor für Politikwissenschaft an der Universität Regensburg, wie er binnen zwei Wochen zweimal bei Facebook gesperrt wurde. Sein erstes Vergehen war der Satz „Es ist lustig, dass die meisten (nativen) Deutschen Hoffnungen mit der neuen Regierung verbinden. Wie kann man nur so naiv und politisch … [sic] unerfahren sein.“ Facebook wertete das aus unerfindlichen Gründen als „Hassrede“ und sperrte Maćków für sechs Tage (hier die Screenshots). Nach eigener Aussage für einen Monat gesperrt wurde der deutsch-polnische Politologe und Blogger für einen weiteren völlig harmlosen Post: „Das Kleben an Merkel ist eine typisch deutsche Methode, von eigenen Fehlern, Fehleinschätzungen, Dummheiten in ihrer Regierungszeit abzulenken. Die meisten Deutschen wollen nicht erkennen, dass sie in Vergangenheit – wie alle Menschen in der Welt, und vielleicht sogar häufiger – Fehler begingen, Fehleinschätzungen vornahmen, politisch dumm waren.“

Christof Zellenberg. Der Co-Herausgeber von kath.net wird wegen eines Urlaubsvideos ohne Angabe von weiteren Gründen bei Facebook gesperrt.Das Video aus dem sonnigen Cordoba enthält, neben einigen historischen Angaben und Hinweisen auf das Essen, das Wetter sowie die zwitschernden Vögel, auch die Aussage, man wäre dort nicht an diversen Stichen interessiert – außer an einem Sonnenstich eventuell – und es wäre gut, wenn auch die Politiker langsam abkühlten und diverse Maßnahmen beenden würden. Offensichtlich wäre die Omikron Variante milder und würde sich im Rahmen einer normalen Grippewelle befinden. Quelle: kath.net

Hubertus Bier. Die österreichische Laaer Privatbrauerei druckt auf die Etiketten ihres Hubertus Bieres Witze und Sprüche. Einer davon lautet: „Was sagt der Mann, wenn seine Frau die Kellertreppe herunterfällt? Schatz, bring gleich ein Bier mit!“ Die Grüne Landtagsabgeordnete Viktoria Spielmann findet das nicht lustig. „Für das Bier Hubertus ist wohl ein komplett jenseitiges Frauenbild und toxische Männlichkeit Geschäftsmodell? Ich denke, das ist ein Fall für eine Beschwerde beim Werberat“, schreibt sie auf Twitter. Die Beschwerde macht sie auch gleich selbst. „Der Spruch ist darüber hinaus auch deswegen so problematisch, weil er offen lässt, wie es zu dem ‚Runterfallen‘ der Kellertreppe gekommen ist. Hier könnte das Bild bei Konsument*innen entstehen, dass Gewalt gegen Frauen tolerierbar sei. Die Situation steht eindeutig in Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol. Die Hubertus Brauerei suggeriert, dass es ein akzeptables Verhalten sei, wenn der Mann keine Hilfe anbietet, sondern stattdessen der Frau befielt, ihm Bier mitzubringen“, heißt es in dem Schreiben an den Werberat. Ob die Antwort desselben lautet „Es ist ein Witz“, bleibt abzuwarten. Quelle: heute.at

Ein Kommentar zu “Januar 2022

  1. Wenn die CDU den Versuch von Maaßen, seine Aussagen zur Impfung durch Zitate eines Antisemiten zu belegen, zum Anlass nähme, ihn rauszuwerfen, hätte das mit „cancel culture“ wenig, mit innerparteilicher Disziplin sehr viel zu tun. Dass dies nicht geschieht, zeigt, dass man sich unter Merz weiter nach rechts orientieren möchte.

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