August 2022

Winnetou. Am 11. August startete der an ein junges Publikum gerichtete Film „Der junge Häuptling Winnetou“ in den Kinos. Begleitend dazu veröffentlichte der Verlag Ravensburger am 1. August die „Winnetou“-Kinderbücher „Das Buch zum Film“ und „Das Erstlesebuch zum Film“ – und stoppt den Verkauf kurz darauf wieder. In einem Statement auf Instagram erklärt Ravensburger: „Unsere Redakteur*innen beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Diversität oder kultureller Aneignung. Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel, unser bestehendes Sortiment.“ Und weiter: „Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“ Quelle: Tagesspiegel
Auf Nachfrage von BILD teilt die ARD mit, dass sie schon 2020 entschieden habe, keine Winnetou-Filme mehr zu zeigen.

Avitall Gerstetter. Die Kantorin der Berliner Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin wird von ihrem Amt „freigestellt“, nachdem sie bei WELT das wachsende Missverhältnis zwischen Juden und zum Judentum konvertierten Menschen kritisiert hatte. Offiziell ist der Hintergrund der „Freistellung“ nicht bekannt. Ein Facebook-Eintrag, veröffentlicht nur Minuten vor dem Freistellungs-Post, legt jedoch einen Beweggrund für die Entbindung Gerstetters von ihren Aufgaben nahe. Darin heißt es: „Aus gegebenem Anlass möchten wir betonen, dass bei uns als Synagogengemeinde alle Beter:innen willkommen sind, egal ob jüdisch geboren oder konvertiert.“ Kritik entzündete sich besonders an Gerstetters Perspektive auf die Motive ehemaliger Christen, zum Judentum überzutreten und deren Einfluss auf die Entwicklung der jüdischen Religion. Quelle: WELT online

Mario Parizek. Der Musiker hätte in einer Bar in Zürich einen Auftritt gehabt. Doch das Konzert wird abgesagt, weil er als Weißer Dreadlocks trägt. Parizek erklärt, dass er sich mit 13 Jahren die Dreads zugelegt habe, weil er in einem „ziemlich rechten Dorf“ aufgewachsen sei. „Ich wollte den rechten Leuten zeigen, dass es auch andere Leute gibt. Heute werde ich von der linken Ecke deshalb diskriminiert“, resümiert der Gitarrist. Quelle: Berliner Zeitung

Philipp Burger. In Gelsenkirchen lädt die Jüdische Gemeinde nach einem Empörungssturm den Frontmann der Südtiroler Rockband Frei.Wild, Philipp Burger, wieder von einer Veranstaltung aus. Burger sollte urprünglich am 22. September mit anderen deutschsprachigen Prominenten wie dem BKA-Präsidenten Holger Münch, der NRW-Antisemitismusbeauftragten und FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und dem Autor Ahmad Mansour über die Themen Antisemitismus und rechte Gewalt diskutieren. Motto der Veranstaltung, die an das Lebenswerk der 2021 verstorbenen Auschwitz-Überlebenden, Autorin und Aktivistin Esther Bejarano erinnern soll, ist „Nie schweigen!“ Quelle: Achgut

Hans-Georg Maaßen. Der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein fordert den Verlag C. H. Beck auf, seine Zusammenarbeit mit dem CDU-Politiker und ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen zu beenden. Letzterer habe sich „mit seinen rechtsradikalen und verschwörungstheoretischen Äußerungen vom demokratischen Diskurs verabschiedet. Seine Auffassungen haben in einem seriösen Standardkommentar nichts verloren“, heißt es in einem aktuellen Tweet der politisch links orientierten Organisation. Wenige Tage später gab die Migrationsrechtlerin Kati Lang auf Twitter bekannt, aus Protest über das Erscheinen von Maaßens Kommentierung des Grundgesetzes bei C. H. Beck ihre Zusammenarbeit mit dem Verlag abzusagen. C. H. Beck schreibt in einem Statement, man stehe als juristischer Fachverlag „für eine pluralistische und freie wissenschaftliche Diskussionskultur, solange sich diese im verfassungsrechtlichen Rahmen bewegt“. Quelle: Achgut

Entdecker. Das Deutsche Technikmuseum Berlin verabschiedet sich von seinem Slogan „Für Entdecker!“, weil der Begriff kolonial und nicht inklusiv genug sei. Stattdessen wird nun schlicht mit „Einfach für dich!“ geworben. Auf Facebook verkündet das Museum: „Es ist offiziell: Wir haben einen neuen Slogan – und der lautet ‚Einfach für dich‘! Da unser alter Slogan nicht gendergerecht war und zudem auf einem kolonial konnotierten Begriff basierte, war für uns klar, dass etwas Neues hermuss. Der Banner unter dem Rosinenbomber wurde auch gleich entfernt und der neue Schriftzug angebracht.“ Quelle: Achgut

4 Kommentare zu „August 2022

  1. Zu Winnetou:
    Das Schlimme dabei ist ja, dass ein Verlag vor ein paar (anonymen) Krawallmachern, die mit Sicherheit noch nie ein Karl May-Buch gelesen haben, derart in die Knie geht. Kultur und kulturelle Entwicklung ist immer (schon gewesen und wird es weiterhin sein) ein Konglomerat aus Aneignung, Anpassung, Austausch, Vermischung. Aber Bildung kann man von dieser „moralischen Elite“ ja nicht erwarten.

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      1. Schon mal das Sprichwort „Den Sack schlägt man, den Esel meint man.“ gehört? Natürlich geht es auch um die Original-Bücher. Diese Posse ist nur die Vorbereitung für die Bolschewoken, die immer mit Salamitaktik vorgehen.

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      2. Es geht um die von Karl May geschaffene, fiktive Figur des „Winnetou“.
        So viel Bildung sollte man eigentlich haben, um die Zusammenhänge zu verstehen.
        Wenn Sie ihrer Verantwortung, die die Hohlschuld „Bildung“ von Ihnen verlangt, nachgekommen wären, hätten sie zu dem Thema feststellen müssen, dass der „Woke-Mob“ – Grüße an den Critical Drinker – kritisierte: „dass der Stoff des Klassikers von Karl May überhaupt noch verlegt wird“, etc.
        „Bildung“ mündet nicht unbedingt immer in „Erkenntnis“!
        Und „Erkenntnis“ benötigt nicht unbedingt „Bildung“!
        Fragen Sie „Jake und Elwood Blues“. – Stichwort: „Die Band! Die Band!“
        DAS ist Erkenntnis! Und das schreibe ich mit ernster Miene!
        Insofern ist der Kommentar von Herrn Dremel nur dahingehend zu kritisieren, als dass er von der irrigen Annahme ausgeht, Bildung führe zur Erkenntnis. Oder gar zu „Werten“. Doch dieser Irrtum sei ihm verziehen.
        Wohingegen Sie, „thomasexgotha“, … aber lassen wir das.
        Und es geht nicht nur um ein „Karl-May-Buch“. Aber Herr Dremel hat seinen Kommentar ja begonnen mit „Zu Winnetou:“.

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