September 2020

Oskar Lafontaine. Der ehemalige Partei- und Fraktionsvorsitzende der Linken und ehemalige Kanzlerkandidat der SPD tritt gemeinsam mit dem CSU-Politiker Peter Gauweiler und dem früheren Berliner Finanzsenator und Buchautor Thilo Sarrazin auf, um über Sarrazins neues Buch zu sprechen. Entsetzen und Empörung in der eigenen Partei sind groß. Lucy Redler, Mitglied des Parteivorstandes, sagt dem SPIEGEL: „Jemand, der sich mit Rassisten wie Sarrazin ein Podium teilt und die Interessen Geflüchteter gegen deutsche Rentner ausspielt, darf kein öffentliches Amt für Die Linke bekleiden.“ Vorstandsmitglied Raul Zelik sagt:  „Gemeinsame Auftritte mit einem ausgewiesenen Rassisten wie Sarrazin verbieten sich für Funktionsträger der Linken – das ist doch selbstverständlich.“ Die stellvertretende Parteivorsitzende Martina Renner twittert: „Der Rassist Thilo Sarrazin geht auf Promotiontour für sein neues Machwerk, und ein linker Fraktionsvorsitzender macht das Maskottchen (…).“ Der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat twittert: „Ekelhafter geht es nicht mehr.“

Uli Masuth. Der Kabarettist soll in Amrum auftreten. Dort angekommen, wird ihm mitgeteilt, sein Auftritt werde abgesagt, da man erfahren habe, dass er per Bahn und Fähre angereist sei, ohne eine Maske zu tragen.  Anfang Oktober tritt Uli Masuth in Memmingen auf und trägt dort als „Zugabe“ einen rund 15 minütigen Text zum Thema Corona vor. Er stellt den Zuschauern, wie bei seinen anderen Auftritten, frei, ob sie sich diesen anhören oder lieber gehen wollen (was bisher noch nicht vorgekommen ist).  Die Intendantin des Landestheaters Schwaben distanziert sich anschießend „von der als künstlerische Zugabe deklarierten persönlichen Stellungnahme zur Corona-Pandemiesituation Uli Masuths“, stellt fest, Masuths Stellungnahme zu Corona bewege sich „nicht mehr im Rahmen der Kabarett-Darbietung und damit auch nicht im Rahmen der künstlerischen Freiheit“ und beklagt, Masuth habe die „Bühne für eine politische Agitation missbraucht, um Verschwörungsgedanken zu verbreiten, die oft genug antisemitische und rassistische Untertöne anklingen“ ließen. Der Veranstalter des Auftritts, Alternative Kleinkunst Memmingen e.V., weist das zurück: „In seinen Ausführungen zur Corona-Pandemiesituation in Form einer Rede Angela Merkels lassen sich unserer Meinung nach keine Verschwörungstheorien erkennen.“

Hanns-Christian Salger. Der Allgemeine Studierendenausschuss der Goethe-Universität Frankfurt am Main (Asta) verlangt, dem Juristen seine Honorarprofessur an der Hochschule zu entziehen, die er seit 1998 innehat. Ihm wird vorgeworfen, Sozialstaat, Asylrecht und Corona-Verordnungen zu kritisieren und sich für die Atlas Initiative zu engagieren, berichtet die F.A.Z.. Die Atlas Initiative ist nach eigener Darstellung ein „parteiunabhängiger Zusammenschluss mündiger Bürger, der die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wie sie das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland formuliert, aktiv fördert und unterstützt“. Sie verstehe sich als ordoliberal und wertkonservativ und lehne „radikale und gewalttätige politische Strömungen von links oder rechts klar ab“. Die Hochschule prüft die Vorwürfe. Dekan Klaus Günther und Andreas Cahn, Executive Director des Instituts, schreiben einer Stellungnahme, „jede Insinuation ausländerfeindlicher oder antisemitischer Einstellungen“, sei abwegig.

Leen Kroetsch. Der Jugendamtselternbeirat (JAEB) schließt die 35-jährige Essenerin aus, berichtet die WAZ Essen. Im JAEB sind gewählte Mütter und Väter von Kindergartenkindern, die zwischen Kitas, Stadt und Eltern vermitteln. Kroetsch hatte 2018 ein Video auf ihrem Facebook-Profil gepostet, in dem sie beklagte, dass in der Kita ihres Sohns nur 2 von 25 Kindern keinen Migrationshintergrund haben, und die Integrationspolitik kritisierte. Das Video wurde innerhalb kurzer Zeit fast zwei Millionen Mal aufgerufen, mehr als 55.000 Menschen haben es geteilt, und fast 8000 Kommentare wurden geschrieben, berichtete damals die Welt.

Baggerfahrer. Ein Nutzer auf Twitter macht darauf aufmerksam, dass auf einer Straßenbaustelle in Naußlitz ein Bagger mit der Aufschrift „Der Fahrer spricht ausschließlich Deutsch“ steht. Der Tweet lautet: „@stadt_dresden auf eurer Baustelle (Altnaußlitz) arbeiten offen Rechtsradikale. #dresden #FCKNZS #sucksen.“
Nach Prüfung lässt die Stadt das Baufahrzeug wenige Tage später durch das zuständige Unternehmen entfernen und kündigt an, in Zukunft genauer darauf zu achten, welche Baufirmen eingesetzt werden. Die Person, die das Bild veröffentlicht hat, wird anschließend beleidigt und bedroht, berichtet addn.me.

Niklas Lotz. Twitter sperrt den Account desBetreibers des Kanals Neverforgetniki, der auf YouTube über 175.000 Abonnenten und auf Twitter über 35.000 Follower hat, auf unbestimmte Zeit. Nach erfolgreicher Klage gegen Twitter wird die Sperre nach knapp drei Wochen wieder aufgehoben. Auch Youtube hatte den Kanal im August 2019 vorübergehend gesperrt, berichtet die Tagesstimme.

Götz Kubitschek. Das Auto des Verlegers wird in der Dresdner Neustadt beschädigt. Dabei werden sowohl die Reifen zerstochen, als auch die Front- und eine Seitenscheiben zerstört, berichtet addn.me.

Hentschke Bau GmbH. Personen aus der Leipziger Autonomen-Szene bekennen sich zum Brandanschlag auf eine Baustelle der Bautzner Baufirma Hentschke in Leipzig. Angebliches Motiv für ihre Tat: weil der Firmenchef einmal der AfD Geld spendete, berichtet BILD.

MontanaBlack. Die zum Amazon-Konzern gehörende Videoplattform Twitch sperrt den deutschen Star-Streamer für einen Monat. Über drei Millionen Fans folgen dem Buxtehuder Internetstar Marcel Eris alias MontanaBlack allein dort. Während seines Malta-Urlaubs hatte der 32-Jährige unter anderem Videos gestreamt, wie er mit laufender Kamera durch die Stadt ging und dabei das Aussehen von Frauen mit Grunzlauten kommentierte oder sich abfällig über andere Passanten äußerte. Als ein Shitstorm über ihn hereinbrach, erklärte Eris zunächst auf Twitter: „In dem Moment war’s halt ‚lustig‘ und niemand sollte oder wurde dadurch ‚belästigt‘ aus meiner Wahrnehmung in dem Moment“. Er räumte ein, sich falsch verhalten zu haben. Er werde sein Verhalten reflektieren und sich in Zukunft besser benehmen“, berichtet der Weser-Kurier.

Reichsfahne. Bremen verbietet das Zeigen von Reichsfahnen und Reichskriegsflaggen. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sagt: „Es war an der Zeit zu handeln. Symbole nationalsozialistischer und ausländerfeindlicher Gesinnung sind zu verbannen.“ Die Fahnen können von der Polizei konfisziert und die Eigentümer mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro belegt werden. Zuvor hatte eine Initiative „Bremerhaven bleibt bunt“ darauf aufmerksam gemacht, dass die Flaggen immer häufiger in Bremerhaven aufgetaucht waren, berichtet Radio Bremen. Im Oktober folgen Niedersachsen und NRW mit einem Verbot. Bayern und weitere Bundesländer kündigen ebenfalls entsprechende Erlasse an. Gegen einen Kleingärtner aus Wilhelmshaven wird ein Verfahren eingeleitet. Ihm droht laut Polizei ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro. Laut Erlass der Landesregierung stellt das Verwenden der Reichs- und Reichskriegsflaggen stets eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar.

Schwarzfahrer. Berlins Landesbedienstete bekommen laut Berliner Zeitung Nachhilfe in korrekter Sprache. Ein 44 Seiten langer Leitfaden für „Mitarbeitende der Berliner Verwaltung zum diversitysensiblen Sprachgebrauch“  soll sie ertüchtigen für die Kommunikation „mit den Menschen in dieser Stadt“, unabhängig von deren Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Hautfarbe, Alter, Behinderung, Religion, Weltanschauung und sexueller Identität. Gestrichen ist u.a. der „Schwarzfahrer“. Er wird zum „Fahrenden ohne gültigen Fahrschein“. Auch „anschwärzen“ soll nicht mehr gesagt werden, dafür aber „melden“ oder „denunzieren“.

Friedrich Merz. Dem Bewerber um die CDU-Kanzlerkandidatur wird Homophobie vorgeworfen. Hintergrund: Merz wurde in einem „Bild“-Talk gefragt, ob er Vorbehalte hätte, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler werden würde. „Nein“, sagte Merz. Auf die Nachfrage, ob das für ihn völlig normal wäre, fügte er hinzu: „Über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion.“ Der Verband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) kritisiert Merz „aufs Schärfste“. Journalist Julius Betschka vom „Tagesspiegel“ kommentiert: „Wenn du bei der Frage, ob ein schwuler Kanzler für dich okay wäre, nach Deinem antrainierten ‚Geht niemanden was an‘ sofort an Pädophilie denken musst, denkst du leider komplett homophob.“ Anna Peters, Bundessprecherin der Grünen Jugend, stellt fest: „#Merz ist homophob & frauenfeindlich.“ Auch Kevin Kühnert (SPD) unterstellt Merz, etwas gegen Schwule zu haben, und fordert zudem, wer Kanzler werden wolle, müsse eine Sprache sprechen, die „in sensiblen Feldern von Antidiskriminierung und der Gleichberechtigung aller Menschen keinen Platz für Interpretationen und doppelte Böden“ lasse, berichtet der Tagesspiegel. Man darf also nicht nur nichts „Falsches“ sagen, sondern auch nichts, was irgendwie falsch interpretiert werden könnte.

AfD. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) beschließt in ihrer Bundesversammlung einstimmig, dass eine Mitgliedschaft in der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) nicht mit einer Mitgliedschaft in der kfd vereinbar ist. Auch andere katholische Bundesverbände wie der Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) haben bereits Unvereinbarkeitsbeschlüsse verabschiedet. Schon 2018 hatte der WEISSE RING beschlossen, dass, wer in der AfD aktiv ist, keine ehren- und hauptamtliche Funktionen in der Opferhilfeorganisation ausüben darf. Zudem lehnt der Verein es ab, Spenden von der AfD anzunehmen.

Akif Pirinçci. Im Spiegel erscheint am 17.09. unter dem Titel „Selbsthass bei Einwanderern. Migranten, die gegen Migranten hetzen“ ein Kommentar, in dem an den deutsch-türkischen Schriftsteller erinnert wird: „Mittlerweile fast vergessen hingegen ist Akif Pirinçci, der sein Geld in den Neunzigerjahren mit Katzenromanen verdiente. Seit einigen Jahren reüssiert er als vulgärer Muslimenhasser, dessen Bücher auch im AfD-Fanshop zu bekommen sind. Bei einer Pegida-Demonstration bedauerte er 2015 sogar, dass es keine Konzentrationslager mehr gibt.“ Später fügt die Redaktion das Wort „ironisch“ nach „sogar“ ein und räumt in einer Anmerkung unter dem Text ein, dass Pirinçci damals diesen Satz im Zusammenhang mit dem Vorwurf, man würde heute am liebsten Kritiker der ungebremsten Massenmigration in Konzentrationslager stecken, geäußert hat. Viele deutsche Medien berichteten auch 2015 fälschlicherweise, Pirinçci habe die KZ-Aussage auf Flüchtlinge bezogen. Dadurch wurde eine Debatte über Fehler im medialen Umgang mit Pirinçcis Rede ausgelöst. Es sei an sich schon beunruhigend, so Stefan Niggemeier in der F.A.Z., dass es die Mehrheit der großen deutschen Medien nicht schaffe, eine entscheidende, leicht überprüfbare Tatsache richtig wiederzugeben. Aufgrund der Pegida-Rede wurde Pirinçci vom Amtsgericht Dresden wegen Volksverhetzung verurteilt.  Seine Bücher, selbst die unpolitischen Katzenkrimis, sind heute im allgemeinen Buchhandel nicht erhältlich. Heribert Seifert kritisierte in der Neuen Zürcher Zeitung den Boykott Pirinçcis durch den deutschen Buchhandel. Dieser ziele nicht bloß auf Ausgrenzung vulgär-aggressiver Publizistik, sondern auf die vollständige Tilgung eines Schriftstellers aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Hochschulgruppe Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung. Die  Hochschulgruppe „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“ an der Uni Mainz klagt gegen den AstA der Universität. Ziel der Klage ist es, durch einen Präzedenzfall die Benachteiligung humanistischer Hochschulgruppen in Zukunft zu verhindern, die Meinungsfreiheit und offene Debattenkultur zu stärken und die gleichberechtige humanistische Betätigung auf dem Campus zu ermöglichen. Hintergrund: Der AstA verweigert der Hochschulgruppe  seit Jahren Förderung für Aktivitäten sowie die Teilnahme an den Hochschulgruppenmessen. Grund dafür ist die Verbundenheit der Gruppe zur Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Diese habe mit der Verleihung ihres Ethikpreises an den international bekannten Philosophen und Tierrechtler Peter Singer im Jahr 2011 eine Person ausgezeichnet, die durch behindertenfeindliche Ansichten und Äußerungen auffalle. Zudem sei mit Hamed Abdel-Samad ein „islamophober Rassist“ im Beirat der gbs, der den „Islam grundsätzlich in eine extremistische Ecke“ stelle und „pauschale Verunglimpfung einer Religionsgemeinschaft“ betreibe. Den Mitgliedern der Hochschulgruppe wurde „antimuslimischer Rassismus“ vorgeworfen und ihnen geraten, ihr „Verhalten zu reflektieren“ und mehrfach angeregt, „einen Workshop zu critical whiteness und in Bezug auf andere Diskriminierungsformen“ zu besuchen. Eine ausführliche Schilderung der Auseinandersetzung durch den humanistischen Pressedienst findet sich hier.

Andreas Heisler. Der Luzerner Arzt äußert sich in Form von Briefen an den Bundesrat, Reden und Interviews kritisch zu den Maßnahmen der Behörden zur Eindämmung der Corona-Pandemie und bezeichnet diese u.a. als „Test-Pandemie“. In seiner Praxis trägt er nur eine Maske, wenn er schwer lungenkranke Menschen behandelt oder Patienten dies explizit wünschten. Das Portal 20 Minuten meldet, das  Gesundheits- und Sozialdepartement  (GSD) des Kantons habe nicht näher beschriebene „Massnahmen“ gegen Heisler eingeleitet. Im Kanton Luzern herrscht keine generelle Maskenpflicht für Ärzte. Ärzte sollen ein eigenes Corona-Schutzkonzept entwickeln und dabei ein Schutzkonzept des Ärzteverbandes FMH als Leitfaden nutzen.

Karl Ischia. Der Bezirksobmann der Wirtschaftskammer von Innsbruck-Stadt nimmt auf Twitter und Facebook zur früheren Sperrstunde Stellung und kritisiert, dass alle Gastronomiebetriebe um 22.00 Uhr schließen müssen. Das sei undifferenziert und ungerecht. Er beginnt mit den Worten „Statt die Somalier-, Türken-, Jugo- und Hipsterclubs, wo die Infektionen nach Mitternacht stattgefunden haben, … “. Später löscht er die Posts wieder und entschuldigt sich. Nach empörten Reaktionen tritt Ischia von seinen Ämtern zurück.

Roland Tichy. Im Monatsmagazin Tichys Einblick erscheint eine kurze Meldung des Journalisten Stephan Paetow, in der er zur Bundestagskandidatur der SPD Politikerin Sawsan Chebli schreibt: „Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer“. Chebli fotografiert die Meldung und verbreitet sie auf Twitter. Es folgt umfängliche Empörung. Aus Protest kündigen einige Politiker an, aus der Ludwig-Erhard-Stiftung, dessen Vorsitzender Tichy ist, auszutreten – darunter CSU-Staatsministerin für Digitales Dorothee Bär, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsunion Carsten Linnemann. Tichy gibt daraufhin das Amt auf. Der WDR, dem es egal ist, wer genau welche Äußerungen gemacht hat, berichtet: „Der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung in Bonn, Roland Tichy, gibt sein Amt auf. Tichy hatte sich in einer Publikation sexistisch über die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli und ihre Bundestagsambitionen geäußert.“ Tichy tritt zudem als Jurymitglied des Deutschen Journalistenpreises (DJP) zurück. Wie viele andere begrüßt auch Friedrich Merz den Rücktritt. Merz hatte bereits 2018 den Ludwig-Erhard-Preis abgelehnt. Wie das „Handelsblatt“ damals unter Berufung auf Einschätzungen von Jury-Mitgliedern berichtete, war ein Grund, dass er bei der Verleihung mit Tichy zusammen auf der Bühne stehen sollte. Chebli twittert: „Der Rücktritt von #Tichy vom LES-Vorsitz war längst überfällig, aber er löst natürlich nicht das Riesenproblem, das wir mit Sexismus haben.“

Olaf Latzel. Der evangelische Bremer Pastor Olaf Latzel muss sich wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten. Das Amtsgericht Bremen ließ eine Anklage der Staatsanwaltschaft zu und eröffnete ein Strafverfahren gegen den 52-Jährigen. Latzel hatte sich bei einem auch auf Youtube veröffentlichten Eheseminar abwertend über Gender und Homosexualität geäußert und unter anderem gesagt: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Später entschuldigte er sich für die Worte und führte an, er habe nichts gegen Homosexuelle. Mit dem Wort „Verbrecher“ habe er „militante Aggressoren“ gemeint, die ihn und seine Gemeinde immer wieder attackierten. Die Bremische Evangelische Kirche hatte sich von den Aussagen Latzels distanziert und diesen zunächst beurlaubt. Mitte August durfte er seinen Dienst wieder aufnehmen, nachdem er sich zu „einer Mäßigung im Rahmen seines Verkündigungsauftrags“ verpflichtet hatte.

Heimat Defender: Rebellion. Das Spiel „Heimat Defender: Rebellion“ der Firma KVLTGAMES wird von der Plattform Steam gelöscht. Es handelt sich um ein kostenloses Jump and Run Spiel, das eine Dystopie aus rechter Sicht beschreibt und zusammen mit der Initiative Ein Prozent entwickelt wurde. Die Entwickler kommentieren: „Steam hat offenbar die Storepage von Heimat Defender gelöscht. Ist uns egal, in Zeiten von Zensur und Deplatforming haben wir damit ohnehin gerechnet. Das Spiel ist auch so bereits ein Riesenerfolg, wir brauchen Steam nicht.“

Christin Park Young-Ai. Die Berliner Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gegen die 71 Jahre alte Betreiberin eines koreanischen Restaurants ein. Grund dafür seien Bibelverse, die die Frau an den Wänden ihres Lokals aufgehängt hat. Unter anderem finden sich darunter auch Verse aus dem dritten Buch Mose, in denen es heißt: „Einem Mann sollst du nicht beiliegen, wie man einem Weib beiliegt; Greuel ist dies (…) jeder, der einen von allen diesen Greueln tut – die Personen, die sie tut, sollen ausgetilgt werden aus der Mitte ihres Volkes.“ Der Anwalt der Wirtin sagt, das Lokal im Stadtteil Schöneberg sei inzwischen auf Anordnung des Amtsgerichts Tiergarten durchsucht worden. Das Gericht begründete das Vorgehen mit einer angeblich „homophoben und menschenfeindlichen Haltung“ Parks. Die B.Z. titelte „Die Schande von Schöneberg!“

Serdar Somuncu. In einem Podcast des RBB benutzt der Kabarettist eine Reihe politisch unkorrekter Ausdrücke. Ein kleiner 2-minütiger Ausschnitt aus dem gut 3-stündigen Podcast sorgt bei Twitter für viel Aufregung. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg entschuldigt sich: „Radioeins übernimmt dafür die Verantwortung und entschuldigt sich auch im Namen der beiden Protagonisten bei all den Menschen, die sich deshalb beleidigt oder herabgewürdigt fühlen. Radioeins hatte niemals die Absicht, rassistische oder sexistische Stereotypen zu befördern.“ radioeins-Programmchef Robert Skuppin sagt, man hätte nach der Live-Ausstrahlung bei Instagram den Podcast redaktionell bearbeiten und dabei die missverständlichen Passagen einordnen beziehungsweise rausschneiden müssen. Er erläutert, Somuncu habe satirisch kritisieren wollen: „… dass es Menschen nach wie vor gibt, die glauben, sie könnten alles sagen, mit dem Hinweis, hier herrscht Meinungsfreiheit. Und ich glaube, so ne Person wollte Serdar darstellen.“ Kurz darauf wird die redaktionelle Bearbeitung dann nachgeholt und die inkriminierten Stellen aus der Sendung entfernt. Auf Meedia wird kommentiert: „Aus einem Podcast, bei dem es viel um „Cancel Culture“ geht, wird nach einer Empörungswelle nachträglich ein brisantes Stück rausgeschnitten. Hätte besser laufen können.“

Ulrich van Suntum. Die Welttierschutzgesellschaft „komplimentiert“ den emeritierten VWL-Professor aus ihrem Vorstand. Der Grund dafür ist laut van Suntum seine (parteilose) Kreistagskandidatur für die AfD.

Milosz Matuschek. Der Redaktor für „Politik, Wirtschaft & Kultur“ sowie Stellvertretender Chefredaktor bei der liberalen Zeitschrift Schweizer Monat, darf nicht mehr in der NZZ schreiben. Die NZZ reagierte damit auf die jüngste Kolumne von Matuschek „Was, wenn am Ende ‚die Covidioten‘ recht haben?“, wobei offenbar weniger der Inhalt den Ausschlag gab, als die Tatsache, dass die Kolumne anschließend auch auf der Webseite von Ken Jebsen gespiegelt wurde. Matuschek ist einer der Initiatoren des Appells für freie Debattenräume.

Alexander Schiebel. Die Bozener Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den Autor und Filmemacher, nachdem der ehemalige Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft, Arnold Schuler, Strafanzeige gegen Schiebel und seinen Verleger Jacob Radloff vom Oekom-Verlag gestellt hat. Der Vorwurf lautet auf „üble Nachrede“ zum Schaden der Provinz Südtirol und der dortigen Landwirtschaft. Alexander Schiebel kritisierte in dem Buch und im gleichnamigen Film „Das Wunder von Mals“ den starken Pestizideinsatz im Apfelanbau. Auch Karl Bär, Referent für Agrar- und Handelspolitik beim Umweltinstitut München, wurde angezeigt, wegen einer Kampagne zum Pestizideinsatz in Südtirol.

Filmplakate. Deutschlandweit hängen Plakate mit den Hauptcharakteren Heiner Lauterbach (67), Jürgen Vogel (52), Hilmi Sözer (50) sowie Janina Uhse (30), Lisa-Marie Koroll (22) und Lara Aylin Winkler (21), um Werbung für den Film „Es ist zu deinem Besten“ zu machen. Auf den Plakaten stehen jedoch nur die Namen der drei männlichen Hauptdarsteller und nicht die ihrer drei Filmtöchter. Die Schauspielerin Sonja Gerhardt, die selbst nichts mit dem Film zu tun hat, schreibt auf Instagram: „Das ist eine absolute Frechheit!“ Laut tz sorgen die fehlenden Namen „für großes Entsetzen“. Das Kino-Debüt des Films sei „von schweren Vorwürfen überschattet“. Der zuständige Verleih „Studiocanal“ antwortet auf eine Anfrage von BILD und sagt, dass man bereits reagiert habe und neue Materialien ausgeliefert werden.

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