November 2020

Kay Ray. Der bisexuelle Entertainer darf nach vielen Jahren nicht mehr im Schmidt-Theater auf St. Pauli auftreten. Schmidt-Chef Corny Littmann teilte ihm in einer E-Mail mit, es habe eine „Vielzahl von Beschwerden unserer MitarbeiterInnen gehagelt, sodaß wir sie kein weiteres Mal in eine Situation bringen möchten, in welcher sie sich während der Arbeitszeit belästigt und beleidigt fühlen“. Ray, der über alles Witze macht hat offenbar „muslimische Kellnerinnen und Kellner“so hart getroffen, weil er sich über den Islam lustig machte. Er kommentiert den Rauswurf: „Ich habe mich früher auf der Bühne des Theaters ausgezogen, ganz nackt. Ich habe lustige Tierfiguren mit meinem Penis gemacht. Was würden heute die muslimischen Kellner wohl dazu sagen? Vormals waren alle amüsiert, vom Kellner bis zur Putzfrau, egal welchen Geschlechts und welcher Religion und welcher Herkunft. Adieu liebes Schmidt Theater. Heute, ja heute bist Du der Bayerische Rundfunk“, berichtet Tapfer im Nirgendwo.

Steffen Freund. Der Ex-Nationalspieler und Fußballtrainer Steffen Freund sagt in der SPORT1-Sendung „Doppelpass“, die Probleme der Schalke-04-Spieler Amine Harit und Nabil Bentaleb rührten von ihrer marokkanisch-französischen beziehungsweise algerisch-französischen Herkunft her. Der Sender distanziert sich sofort: „Es ist uns sehr wichtig, in aller Deutlichkeit zu betonen, dass wir uns grundsätzlich und unmissverständlich von jeglichem rassistischen oder in irgendeiner Art und Weise extremistischen Gedankengut distanzieren“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Sport1 Medien AG, Olaf Schröder. Pit Gottschalk, Chefredakteur der Sport1 GmbH, sagt: „Es ist unser oberstes Prinzip, dass auf SPORT1 kein Platz sein darf für Äußerungen, die auch nur den Interpretationsspielraum zulassen, in irgendeiner Form rassistisch oder diskriminierend zu sein.“ Der Kicker titelt „Rassismus-Eklat im „Doppelpass“ – Schalke reagiert“. Freund entschuldigt sich: „Niemand ärgert sich darüber mehr als ich, dass ich mich in der live Sendung #dopa leider so missverständlich ausgedrückt habe. Dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Jeder der mich und meine Karriere als Spieler und als Trainer ein wenig kennt, weiß, dass ich jede Form von Rassismus zutiefst verabscheue. Natürlich sind weder Hautfarbe, Glaube oder Herkunft für die Leistungen eines Spielers im Training und auf dem Platz entscheidend“, berichtet der Weser-Kurier.

Walter Krämer. Die Kinderbuchautorin Kirsten Boie lehnt den ihr zugedachten Sprachpreis des Hamburger Landesverbands des Vereins Deutsche Sprache (VDS) ab, weil ihr Äußerungen Bundesvorsitzenden Prof. Walter Krämer des VDS ( zu „Lügenmedien“, „Genderwahn“, „Meinungsterror“ u.ä.) nicht gefallen. Weil sich ihrer Meinung nach zudem der Hamburger Landesverband von den Äußerungen Krämers nicht öffentlich distanziert habe, will sie die Auszeichnung, den Elbschwanenorden, nicht annehmen. Dpa nimmt das zum Anlass, um Krämer als Rechtspopulisten darzustellen. Deutschlandfunk Kultur, SZ Online, ZEIT online, Tagesspiegel, das Hamburger Morgenpost u.a. berichten, teilweise ist von „rassistischen Äußerungen“ die Rede.

Harald Martenstein. Der Nutzer @musichistorylaw schreibt auf Twitter: „Meine Frau arbeitet für ein Supermedium mit tollen Kolleg*innen, die sich jeden Tag kaputt schuften, um hochwertige, ausgewogene Information zur erarbeiten. Ich lass mir den @Tagesspiegel nicht mehr kaputt machen von diesem verblendeten alten weißen „Gauland mit Sprachkompetenz““. Bebildert ist der Post mit Fotos von einem Menschen, der mit einer Schere eine Kolumne von Harald Martenstein aus einer Printausgabe des Tagesspiegel ausschneidet und in eine Mülltonne wirft. So weit, so kindisch und belanglos. Bemerkenswert ist jedoch, von wem der Tweet Likes erhält: vom offiziellen Account von „Tagesspiegel Sonntag“, von zahlreichen Tagesspiegel-Mitarbeitern (z.B. von Stefan Jacobs und Constanze Nauhaus, beide nach eigenen Angaben „Berlin-Redakteure“ bei dem Blatt) und vom offiziellen Twitter-Account des Deutschen Journalistenverbands (DJV), berichtet Achgut.

Jürgen Fuchs. Der Staatsschutz nimmt Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung und ggf. auch der Aufforderung zu Straftaten gegen den Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren auf. Fuchs hat auf einer „Querdenken“-Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen in Bremen ein Lied gesungen. In einer Strophe heißt es: „Wir werfen den Covid in die Flammen, mit Virologen zusammen.“ Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bremen kündigt an: „Die KV Bremen wird prüfen, ob die zur Schau gestellte Einstellung von Dr. Fuchs noch mit vertragsärztlichen Grundsätzen übereinstimmt und sowohl den Zulassungsausschuss als auch den Disziplinarausschuss anrufen,“ berichtet der WESER-KURIER.

Marco Kelb. Der Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Sickte antwortet auf einen Twitter-Post des WDR-Moderators Georg Restle, in dem dieser „mehr Diversität“ im deutschen Journalismus forderte: „Dann räumen Sie doch Ihren Platz für eine dunkelhäutige muslimische Transfrau mit Wurzeln in Simbabwe und Dänemark! Schon herrscht mehr Diversität bei [sic!] WDR!“ Daraufhin fordert der SPD Landesverband Niedersachsen den Rücktritt des Bürgermeisters. „Ich bin erschüttert über die Aussagen“, zitiert ndr.de die kommissarische Generalsekretärin der SPD Niedersachsen, Hanna Naber. Der Tweet sei ein „Rundumschlag der Diskriminierung“. Kelb verhöhne den Einsatz gegen Rassismus. Neben einem „sofortigen Rücktritt“ fordert Naber eine „eindeutige Distanzierung“ durch den Landesverband der CDU. Auch Marcus Bosse, SPD-Chef des Landkreises Wolfenbüttel, zu dem Sickte gehört, verurteilt Kelbs Äußerungen.

Demonstranten auf Corona-Demo. Ein 25-jähriger Deutscher, der zuvor an der Veranstaltung der Corona-Skeptiker in Leipzig teilgenommen hat, wird Opfer eines brutalen Angriffs. Mehrere Vermummte treten auf den hilflos am Boden liegenden Mann ein. Um das Leben des Mannes zu retten, schießt ein Beamter mit seiner Dienstwaffe in die Luft. Ein zweiter Mann wird ebenfalls attackiert. Beide müssen ins Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft stuft die Attacke als versuchtes Tötungsverbrechen ein. Die auf linksextremistische Straftaten spezialisierte Soko LinX des Landeskriminalamtes übernimmt die Ermittlungen. Ersten Hinweisen zufolge soll es sich bei den Tätern um Personen aus dem Umfeld der linken Gegendemonstrationen gehandelt haben, die nach Veranstaltungsende offenbar gezielt Jagd auf abrückende Corona-Demonstranten machten, berichtet Tag 24.

Friedrich Pürner. Der Epidemiologe und Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg kritisiert die Anti-Corona-Strategie von Ministerpräsident Markus Söder. Er fordert auf br.de unter anderem, dass nicht nur die Anzahl der Erkrankten, sondern auch die Stärke der Erkrankung erfasst werden soll, äußert Zweifel am PCR-Test und am Nutzen der Corona-App. Die Grünen im Landkreis Aichach-Friedberg halten „die öffentlichen Aussagen Pürners für nicht länger tragbar“ – denn solche Aussagen „führen zu Unsicherheit sowie Nachlässigkeit“ der Bürger. Nach einigen Wochen meldet die Augsburger Allgemeine, dass Pürner kurzfristig an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) versetzt wird. Pürner kommentiert auf Twitter: „Nach Kant hat entweder alles einen Preis oder eine Würde. Ich wähle die Würde! Den Preis zahle ich gerne. Ärzte dürfen nicht schweigen. Niemals!!“

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Die EZW veröffentlicht in ihrem Materialdienst ein Schwerpunktheft zu „False Memory“. (Titel: False Memory. In der Therapie „wiedergefundene“ Erinnerung, EZW-Text 266). Nachdem es Proteste gegen die Veröffentlichung von den Beauftragen für sexuellen Missbrauch der Landeskirchen gegeben hat, beschließt die übergeordnete Stelle in der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), das Heft zurückzuziehen. Auf der Webseite der EZW heißt es dazu: „In keinem der darin veröffentlichten Beiträge wird die Tatsache sexualisierter Gewalt oder das Vorhandensein organisierter Täterkreise (z.B. in Gestalt krimineller Kinderpornografie-Ringe) geleugnet oder auch nur infrage gestellt.“ Trotzdem sind die zuständigen Stellen in der Kirchenleitung nicht bereit, mit den Herausgebern des Materialdienstes über eine Rücknahme des Verbots zu diskutieren.

Gunnar Kaiser. Das Video “Jetzt gilt es zu handeln!”, in dem der Schriftsteller den Text “Mit Vollgas in die Verordnungsdiktatur” von Milosz Matuschek eingelesen hat, wird von Youtube gelöscht, sein Kanal erhält einen „Strike“ und er darf eine Woche lang nichts hochladen. Die Begründung lautet, er habe gegen die Community-Richtlinien verstoßen – Youtube erlaube keine Beiträge, „in denen der Nutzen des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder lokalen Gesundheitsbehörden empfohlenen Social Distancing oder der Selbstisolation ausdrücklich infrage gestellt wird und die dazu führen könnten, dass Menschen sich nicht an diese Empfehlungen halten.“ Der gelöschte Text ist hier nachzulesen.

Matthias Dreher. Nach der Kritik des evangelischen Geistlichen an der Seenotrettung von Flüchtlingen darf dieser nicht mehr in seiner Gemeinde in Nürnberg-Ziegelstein tätig sein. Der Pfarrer  werde mit seinem Einverständnis ab dem 15. November zu einem anderen Dienst mit allgemeinkirchlichen Aufgaben abgeordnet, berichtet Spiegel Online. Dreher schrieb in einem kirchlichen Newsletter u.a.: „Dass diese Menschen sich auf seeuntüchtigen Booten mit Sprit für  wenige Seemeilen bewusst in Lebensgefahr bringen, wird ebenso ungern eingestanden wie die  Tatsache,  dass die Seenotretter zwar nicht mit den Schleppern kooperieren, das wäre Verleumdung, dass  man  aber  voneinander  weiß und die jeweiligen Seefahrt-Bewegungen aufeinander abstimmt,  wie es vielfach dokumentiert und investigativ berichtet wurde.“

Elton. Der FC St. Pauli gratuliert seinem prominenten Anhänger, dem TV-Moderator Elton, mit einer Videobotschaft zum 10-jährigen Jubiläum seiner Sendung „1, 2 oder 3“. Nach rund einer Stunde wird der Tweet wieder gelöscht, weil andere Twitternutzer Elton für einen Sexisten halten und dies kundtun. Die Hamburger Morgenpost schildert die Verfehlungen: „Unter anderem kam die jüngste Ausgabe zwischen Ex-Fußballtorhüter Tim Wiese und Football-Coach Patrick Esume bei den Zuschauern nicht gut an. „1.90m groß, 100kg schwer, heute mal wieder echte Kerle“, wurde die Show von Elton nach zuvor zwei Sendungen mit Frauen-Duellen anmoderiert. Es folgten klischeehafte Männer-Spiele um Autos erraten, Kabel verlegen oder ein Spiel mit dem Namen „Rein und raus“.

TV Deutschland. Der Youtube Kanal wir nach eigenen Angaben „massiv von YouTube zensiert“. Viele Videos seien ohne vorherige Warnung gelöscht worden, zuletzt das Interview in Leipzig mit Fußball-Weltmeister Thomas Berthold (zu Corona). Die Macher kommentieren: „Wovor haben sie Angst? Was war hier das Problem? Wir lassen uns in unserer Arbeit weder einschüchtern noch behindern! Alle Videos findet ihr auch auf unserer Seite tvdeutschland.net.“

Antonio Rüdiger. Die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch fordert den Ausschluss Antonio Rüdigers aus der deutschen Nationalmannschaft. „Der DFB muss umgehend reagieren und Herrn Rüdiger aus dem Kader ausschließen. Er vertritt nicht die Werte der deutschen Nationalmannschaft, sondern tritt sie mit Füßen“, sagt sie der JUNGEN FREIHEIT. Hintergrund ist ein Beitrag auf Instagram des MMA-Profis Chabib Nurmagomedow, den Rüdiger mit „Gefällt mir“ markiert hatte. Darin hetzt der UFC-Weltmeister aus Dagestan und bekennende Moslem gegen Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron wegen dessen Kampfs gegen den politischen Islam. Der Text ist in kyrillischer Schrift. Zu sehen ist ein Foto von Macron mit einem Stiefelabdruck im Gesicht. Rüdiger entschuldigte sich gegenüber der Bild-Zeitung für das Like und löschte es.

Birgit Kelle. Twitter löscht den Tweet der Autorin mit dem Wortlaut „Das sind Bestien. In der Kirche von #Nizza betende #Christen enthauptet. Es reicht! Wann werden wir endlich handeln gegen einen Islam, der mit Gewalt agiert und wahllos selbst Rentnerinnen beim Beten enthauptet? #Terror“

Josef Mayer. Der Direktor des Gymnasiums Wolfgarten der Diözese Eisenstadt und ehemalige ÖVP-Vizebürgermeister postet kurz nach dem Terroranschlag in Wien auf Facebook „Terror in Wien! Refugees welcome!!!…“ Am nächsten Tag wird er vom Dienst suspendiert und darf die Schule nicht mehr betreten, berichtet BVZ.at.

2 Kommentare zu „November 2020

  1. Der Beitrag für Pürner ist gut, der für Kelle passt nicht. Selbst schuld, wer Menschen und sind sie noch so grausam und kriminell, als Bestien bezeichnet. Es geht auch weniger als Bestie, Monster usw.

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