September 2026

Nikolai Binner. Die Linke in Frankfurt will verbieten, dass der Comedian auftritt, kommt damit aber nicht durch und beklagt sich deshalb: „Die Stadtregierung drückt sich davor, klare Haltung gegen rechte Hetze zu zeigen. Damit ist die Koalition aus CDU, SPD, Grünen und Volt nun mit dafür verantwortlich, dass der extrem rechte Comedian und Influencer Nikolai Binner am 6. November im Saalbau Bergen-Enkheim auftritt. Das hätte verhindert werden können und müssen“, erklärt Michael Müller, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Römer. Die Linksfraktion habe am 24. September 2026 den Magistrat aufgefordert, im Fall Binner aktiv zu werden und die Saalbau GmbH anzuweisen, den bestehenden Mietvertrag aufzukündigen. Müller kritisiert: „Die Regierungskoalition hat es vorgezogen, unseren dringlichen Antrag einstimmig abzulehnen. Der Magistrat kommt hier seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht nach.“ Quelle: Die Linke

Bitte unterstützen Sie cancelculture.de mit einer SPENDE!

Momoko Gill. Die Britische Jazzmusikerin sollte bei die Deutsche Einheit bei „Jazz zum Dritten“ in Frankfurt auftreten, wird aber wieder ausgeladen. Die Internetseite Frankfurter Info, herausgegeben vom Verein „Leben und Arbeiten im Gallus und Griesheim“, sieht eine „eindeutig politisch motivierte“ Absage und schreibt in einem Beitrag von „Cancel Culture“. Den Hinweis habe Momoko Gills Vater Tom Gill gegeben. Seine Tochter sei zunächst ohne Angabe von Gründen ausgeladen worden; später habe die Stadt geschrieben, man respektiere zwar „unterschiedliche politische Perspektiven und kulturelle Ausdrucksformen“, sei aber verpflichtet, „sensibel mit Inhalten, Kontexten und den möglichen Auswirkungen umzugehen“. Die Musikerin bezieht auf ihrem Debütalbum „Momoko“ Stellung, wie der „Musikexpress“ schreibt. Ein Song enthalte Samples aus einem Video der israelischen Armee, in einem anderen heiße es: „Wir sind nur frei, wenn Palästina frei ist.“ Quelle: Frankfurter Rundschau

Michael Esfeld. Der Philosoph gerät ins Visier der Westschweizer Medien, weil er sein neues Buch auch online bei der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung präsentieren will. Die Tat besteht aus einem Zoom-Link. Am 29. September stellt der Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne sein neues Buch „Selbstbestimmt jetzt!“ in einer Onlineveranstaltung der Desiderius-Erasmus-Stiftung vor. Die Stiftung steht der AfD nahe. Mehr ist nicht geschehen. Esfeld ist weder Mitglied der AfD noch gehört er einer ihrer Unterorganisationen an. Er tritt nicht im Namen seiner Universität auf. In der Westschweiz, wo Esfeld an der Universität Lausanne lehrt, braute sich daraus binnen weniger Tage ein Mediensturm zusammen. Den Auftakt machte Le Courrier am 12. September mit der Frage „Ein Professor der Universität Lausanne mit Nähe zur AfD?“ Zwei Tage später zogen die größeren Blätter nach. 20 minutes fragte: „Ein Philosoph der Universität Lausanne mit Verbindungen zur deutschen extremen Rechten?“ 24 heures stellte bereits im Titel fest: „Die Nähe eines Professors der Universität Lausanne zur extremen Rechten wirft Fragen auf.“ Aus einem Auftritt bei einer Stiftung war binnen eines Wochenendes eine „Nähe“ zur extremen Rechten geworden. Quelle: Novo

Alexander Wallasch. In der Nacht zum 10. September hängen Unbekannte mehrere laminierte Plakate im unmittelbaren Wohnumfeld des Journalisten auf. Darauf sind sein Gesicht, seine Internetadresse und ein QR-Code zu sehen. Darüber stehen die Fragen: „Ist dein Nachbar ein Faschist?“ und „Ist dein Nachbar ein Vasall der AfD?“ Quelle: Alexander Wallasch

Enrico Schult. Für die „logo!“-Sendung vom 3. September hatte die frühere Landesschülersprecherin Lucienne Balke den CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze und den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund interviewt. Beide erhielten weitgehend dieselben Fragen. Die Redaktion stellte deren Antworten gegenüber und veröffentlichte beide halbstündigen Gespräche vollständig im Internet. Dann aber protestieren fast 300.000 Menschen gegen ein vergleichbares Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten Enrico Schult in Mecklenburg-Vorpommern. „Rechtsextreme Politiker dürfen in Kindernachrichten keine ungefilterte Bühne bekommen“, verlangt die von Schülern gestartete Campact-Petition. Das ZDF verteidigt sein Konzept zunächst noch. „logo!“ müsse Kindern Orientierung geben und unterschiedliche Positionen darstellen. Wenige Tage später erklärt der Sender dasselbe Konzept plötzlich für „nicht angemessen“. Die Interviews mit Schult und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig werden nun nur noch ausschnittweise in einem redaktionell eingeordneten Beitrag erscheinen. Vollständig veröffentlicht werden sie nicht. Quelle: Achgut

Jörn Weitzmann. Mehr als zwei Jahrzehnte leitete der Rechtsanwalt den Verwaltungsausschuss des Hamburger Versorgungswerks der Rechtsanwälte. Fehler bei der Altersversorgung seiner rund 12.000 Kollegen wurden ihm nie vorgeworfen. Bei seiner Wiederwahl scheitert er dennoch. Ausschlaggebend ist nicht seine Amtsführung, sondern seine politische Internetgeschichte. Eine Gruppe um den Anwalt Oliver Islam hatte Weitzmanns Beiträge auf X und LinkedIn gesammelt und Kollegen für die Mitgliederversammlung mobilisiert. Statt der sonst mühsam erreichten Mindestzahl von 50 erscheinen 510 Mitglieder. Kurz vor der Wahl werfen Redner dem Vorsitzenden vor, die AfD zu verharmlosen, Corona-Verschwörungstheorien zu verbreiten und gegen Migranten und queere Menschen zu hetzen. Das Ergebnis ist eindeutig. 431 Mitglieder stimmen gegen, nur 36 für ihn. Quelle: Achgut

Yann Song King. Der geplante Auftritt von Yann Song King im Café Chrysander in Hamburg findet nicht statt. Der Liedermacher habe das Konzert selbst abgesagt, sagt Café-Betreiberin Ursel Arova dem Lokalmedium „Bergedorf.tv“. Mit der Entscheidung wolle er sich und den Veranstaltungsort schützen. Zuvor hat das Bergedorfer Bündnis gegen Rechts das Café in einem offenen Brief aufgefordert, den Auftritt abzusagen. Quelle: hamburg.t-online

Kerstin Zimmermann. Die Erzieherin im heilpädagogischen Kindergarten „Arche Noah“ der Caritas Salzgitter kandidiert bei der niedersächsischen Kommunalwahl auf der AfD-Liste für den Ortsrat Salzgitter West, wird von ihrem Arbeitgeber unter Druck gesetzt. Nach Darstellung ihres Anwalts stellte die Caritas sie vor die Wahl: Rückzug der Kandidatur oder fristlose Kündigung. Sie bleibt auf der Liste. Das Kündigungsschreiben trägt das Datum des 7. September, sechs Tage vor der Wahl. Die Caritas bestätigt den politischen Grund. Kandidatur und Arbeit für den katholischen Verband seien nicht miteinander vereinbar. Zimmermann ist nicht Mitglied der AfD. Quelle: Achgut

Svetlana Spirina. Die Kinderchirurgin am Klinikum Lippe in Detmold kandidiert bei den Kommunalwahlen für die AfD für den Stadtrat in Osnabrück. Als dies bekannt wird, machen Vertreter von SPD und Grünen im Aufsichtsrat des Klinikums Druck gegen die Ärztin und fordern ihre Entlassung. Sie beugt sich dem Druck, tritt sogar aus der Partei aus, wird aber trotzdem entlassen. Quelle: X

Andreas Klöcker. In Stolberg (NRW, 57.000 Einwohner) soll dem AfD-Fraktionsvorsitzenden das Mandat im Stadtrat entzogen werden. Der Vorwurf: Er soll seinen Lebensmittelpunkt nicht in Stolberg haben. Klöcker schreibt dazu: „Bürgermeister Haas und seine Verwaltung behaupten, besser als ich selbst zu wissen, wo sich mein Lebensmittelpunkt befindet – und wollen davon meine Wählbarkeit abhängig machen. Für mich liegt der Verdacht nahe, dass es dabei nicht nur um eine neutrale rechtliche Prüfung geht, sondern darum, einen unbequemen Oppositionsführer kaltzustellen. Belastbare Beweise dafür, dass mein Lebensmittelpunkt nicht in Stolberg gelegen habe, sehe ich in den vorgelegten Unterlagen nicht. Stattdessen wurden über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr Vorwürfe, Vermutungen und Indizien gesammelt. Mehrere Amtsleiter waren mit dem Verfahren beschäftigt, Hunderte Seiten Akten wurden produziert und erhebliche personelle Ressourcen gebunden – bezahlt von den Stolberger Bürgern.“ Quelle: AfD Stolberg

Alruna Hauser sollte am Gymnasium Dresden-Cotta im August 2026 ihr Referendariat beginnen, zuvor hatte sie Lehramt studiert. Doch dann werden dem Landesamt für Schule und Bildung Hinweise auf mögliche Verstöße gegen die Pflicht zur Verfassungstreue bekannt. Daraufhin schaltet die Behörde den Verfassungsschutz ein. Das Landesamt für Schule und Bildung zieht die bereits erteilte Zulassung für den Schuldienst zurück. Alruna Hauser darf nicht Lehrerin werden. Denn Ihr Vater ist Götz Kubitschek, ein Vordenker der Neuen Rechten. Und die Tochter hat an Veranstaltungen des Vaters teilgenommen. Der Beschluss des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts im Eilverfahren ist unanfechtbar. Quelle: BILD

Marian Gold. Die Band Alphaville mit Sänger Marian Gold wird vom Glücksgefühle-Festival ausgeladen, weil man sich mit Gold nicht darüber einigen kann, auf politische Äußerungen auf der Bühne zu verzichten. Es gibt Protest, da es nicht angehe, dass Leute mit linken Positionen ausgeladen werden. Der 71-jährige Gold vertritt offenbar über ein breites LGBTQ-Antifa-Fuck AfD-Virtue-Signalling-Repertoire. „Letztendlich ist es so, dass wir das schon extrem fragwürdig finden und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD äußert oder gegen Trump oder wie auch immer. Jemand, der stabil ist für die Demokratie“, sagt Campino, Frontmann der Toten Hosen. Sänger Mateo von der Band Culcha Candela, die auch auf dem Festival auftritt, bewertet die Entscheidung der Organisatoren mit „Level AfD-Hauptsponsor“. „Leben wir schon in Russland oder ist es noch Deutschland, die BRD, Demokratie?“, fragte er. „Also, gestern waren wir noch Demokratie und Meinungsfreiheit.“ Dann wird Alphaville eben wieder eingeladen. Aber jetzt wollen sie nicht mehr. Quelle: Welt

Hinterlasse einen Kommentar